1988 – 2015 // 27 Jahre SJK – Ein Rückblick

Die Gründung und Anfänge der Schwulen Jugendgruppe Koblenz e.V.

Die Jugendgruppe wurde im Mai 1988 auf Initiative eines damals 15 jährigen und zwei weiteren Jugendlichen als “Fun Club Koblenz” (kurz FCK) gegründet. Ursprünglich als Freizeitgruppe gedacht, nahm der FCK recht bald Selbsthilfecharakter an. Es gab anfangs alle 14 Tage, später wöchentliche Treffs und ein Infotelefon, auf das in Kleinanzeigen hingewiesen wurde. Beides war nur möglich dank der Unterstützung durch die Psychosoziale AIDS- Beratungsstelle und die Jugend- und Drogenberatungsstelle des Caritasverbandes Koblenz, welche Räume und einen Telefonanschluss zur Verfügung stellten und die heute noch Gastgeber der Gruppe sind.

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Im Laufe der Zeit intensivierte der FCK seine Öffentlichkeitsarbeit. So gab es u.a. eine Aufkleberaktion, um auf die Gruppe aufmerksam zu machen; einige Mitglieder beteiligten sich an Infoständen während der “Woche der seelischen Gesundheit” im September 1989.

Im April 1990 regte der FCK die Gründung des “Elternhorizonts” an, einer Gruppe, in der Eltern von jungen Homosexuellen über ihre Probleme und Erfahrungen reden konnten.

Anfang 1991 trat die Jugendgruppe dem „Jugendnetzwerk LAMBDA e.V.“ bei, einem schwul- lesbischen Jugendverband auf Bundesebene mit Sitz in Berlin. Die Gruppe wurde damit zugleich die Kontaktstelle des Jugendnetzwerkes LAMBDA für das Land Rheinland-Pfalz.

Im Sommer 1992 wurde der Name der Gruppe (nicht zuletzt wegen der Verwechslungsgefahr mit dem FC Kaiserslautern) in “SJK – Schwule Jugendgruppe Koblenz” geändert.

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Seit Anfang 1993 nahm die SJK an den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft der Koblenzer Jugendverbände teil, deren stimmberechtigtes Mitglied sie im Jahre 1995 wurde.

Die SJK beteiligte sich 1994 maßgeblich an der Gründung des LAMBDA-Landesverbandes “Schwul-Lesbisches Jugendnetzwerk LAMBDA Rheinland-Pfalz/Saar e.V.”.

Anfang 1999 wurde die Jugendgruppe vom Finanzamt Koblenz als gemeinnützig anerkannt. Die SJK erlangte zugleich beim Amtsgericht Koblenz die Eintragung des Vereins als “Schwule Jugendgruppe Koblenz e.V.”.

Die Jugendgruppe und der Freitagstreff

Ein Schwerpunkt der Gruppenarbeit ist von Anfang an bis heute der regelmäßige Freitagstreff im Kontaktladen <Komm´ma´> der Jugend- und Drogenberatungsstelle der Caritas. Hier wird gekocht, geklönt, es wird über Filme oder aktuelle Themen diskutiert u.v.a.m.

Wichtig hieran ist vor allem die damit gebotene Alternative zur kommerziellen Kneipenszene, die gerade junge Schwule, Lesben und Bisexuelle, die am Beginn ihres Coming-Out-Prozesses stehen, oft verunsichert. Beim Freitagstreff der SJK können sie in einer angst- und repressionsfreien Atmosphäre mit Gleichfühlenden und -denkenden über all die Sorgen und Nöte sprechen, die sie aus Furcht vor Diskriminierung dem Freundeskreis oder der Familie nicht anvertrauen können. Die meisten Jugendlichen im Treff haben ganz ähnliche Probleme, mit denen sie fertig werden mussten oder noch müssen – der Erfahrungsaustausch hierüber kann dem Einzelnen eine große Hilfe bei der Selbstfindung und der Stärkung des Selbstvertrauens sein.

Die regelmäßigen Freizeitaktivitäten der Gruppe umfassen außerdem gemeinsame Kino- oder Schwimmbadbesuche, Ausflüge, Grillabende sowie natürlich die inzwischen traditionelle SJK-Weihnachtsfeier.

Die Jahre von 1993-2003 – Aktionstage MayGay / Gayfluentes und das erste Schulprojekt 

Die Jugendgruppe machte beginnend mit den 1990er Jahren verstärkt durch regelmäßige Aktionen wie z.B. die MayGay / Gayfluentes, Infostände, Kinoveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Koblenzer Odeon Kinotheater und über Anzeigen auf sich aufmerksam.

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Schon in den ersten Jahren des Bestehens der Gruppe wurden über Christi Himmelfahrt anlässlich des jeweiligen Gründungsgeburtstages im kleineren Rahmen Freunde und Gäste der SJK aus nah und fern eingeladen.

Es entstanden hieraus die von 1993 bis 2003 um Vatertag herum veranstalteten “Schwul-Lesbischen Jugend- und Kulturtage Koblenz”, von 1995 bis 2000 kurz “MayGay” genannt. Die Veranstaltungen wurden aufgrund ihres Umfanges jeweils mit Unterstützung des Bundes- oder Landesverbandes LAMBDA realisiert. Weitere Veranstaltungspartner fand die SJK z.B. in der AIDS-Hilfe Koblenz und der „HuK“-Regionalgruppe Koblenz-Limburg.

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In den Jahren 2001 bis 2003 wurde das Event aus namensrechtlichen Gründen dann unter dem Namen “Gayfluentes” realisiert.

Aktivitäten im Rahmen dieser schwul-lesbischen Aktionswochen waren insbesondere eine Mischung aus kulturellem Rahmenprogramm mit Theaterveranstaltungen, Kinovorführungen, Galaabenden, verschiedenen Seminaren und Workshops, Diskussions-/ Podiumsveranstaltungen, Lesungen sowie begleitenden Veranstaltungen wie Busfahrten, Wanderungen, Grillen oder Schifffahrten.

Als Schirmherren bzw. -frauen der Veranstaltungen konnten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie der Bürgermeister der Stadt Koblenz, Peter Knüpper (Kulturtage 1993), Frau Jutta Scharping (Aktionswoche 1994), der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz Dr. Schulte-Wissermann (MayGay’95), der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (MayGay’96), Frau Dr. Rose Götte, Ministerin für Kultur, Jugend, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz (MayGay’97) sowie Frau Andrea Nahles, MdB und seinerzeitige Bundesvorsitzende der JUSOS (MayGay’98) gewonnen werden. Für die MayGay’99 war Herr Volker Beck, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) Schirmherr der Veranstaltung, in 2000 Frau MdL Gisela Bill, (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Veranstaltungen wurden mit der Unterstützung der Stadt Koblenz und des Landes Rheinland-Pfalz sowie weiterer öffentlicher Geldgeber und privater Sponsoren möglich.

Ein (damals) neues Medium – das Internet

Mit der größeren Verbreitung des Internets änderte und erweiterte sich auch die Arbeit des Vereins.

Bereits seit Ende 1996 hat die Jugendgruppe im Internet eine eigene Website, die seit August 1999 unter den eigenen Internetdomänen schwulejugend.de oder sjk-online.de erreichbar ist. Es bestand (und besteht) damit auch die Möglichkeit, die SJK unter der E-Mail-Adresse sjk [at] schwulejugend [dot] de jederzeit zu kontaktieren.

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Das erste Schulprojekt

Im Jahre 1997 wurde mit der Realisierung des ersten SJK-Schulprojektes begonnen; Mitglieder der SJK gingen an Schulen und diskutieren mit Lehrern und Schülern im Rahmen des regulären Unterrichtes u.a. über Themen wie Schwule und Lesben in der Gesellschaft, Homosexualität, bestehende Vorurteile sowie Fragen des Coming-Outs.

Die SJK e.V. in den Jahren 2004 bis 2011

In den Jahren 2004 bis 2011 setzte der Verein seine Arbeit insbesondere mit dem Schwerpunkt der regelmäßigen ca. 52 Freitagstreffs / Themenabende je Jahr und der Beratungsarbeit fort.

Die jährlichen, rund um den Geburtstag der Gruppe stattfindenden Veranstaltungsreihen wurden im kleineren Umfang weiter fortgeführt.

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In den in diesen Jahren neu aufkommenden sozialen Netzwerken wurden durch die Planungsgruppe der SJK neben der Website neue Möglichkeiten geschaffen, mit der Jugendgruppe in Kontakt zu treten und die Arbeit der SJK kennenzulernen.

Die Kontaktaufnahmen mit der Gruppe verlagerten sich in diesem Zeitraum fast vollständig vom anfänglichen Schwerpunkt Telefon / Telefondienst auf die Onlineangebote des Vereins.

Die SJK e.V. seit 2011

Beginnend mit dem Jahr 2011 wurden die Onlineangebote konsequent weiter im Hinblick auf die neuen Möglichkeiten des „Web 2.0“ ausgebaut.

Mit einer eigenen Seite des Vereins bei Facebook werden die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten dieser Plattform seit 2011 ebenso für den Verein genutzt. Die SJK ist ebenfalls mit Informationsseiten in Portalen wie „Planetromeo“ und „dbna“ vertreten.

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Die Mädelsgruppe

Ab 2012 verstärkte die Jugendgruppe ihre Arbeit auch im Bereich der Angebote für lesbische Jugendliche. Der Onlineauftritt des Vereins wurde entsprechend um Angebote unter der Webadresse lesbische-jugend.de ergänzt.

25. Geburtstag

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2013 feierte die SJK Ihren 25. Geburtstag mit einigen Sonderaktionen wie einer Kinovorführung und einer Autorenlesung. Hierzu gab es ein Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Koblenz.

Die SJK im QueerNet RLP

Im Jahre 2011 ist die SJK „QueerNet Rheinland-Pfalz e.V.“ bei dessen Mitgliederversammlung beigetreten.
Gegründet wurde „QueerNet Rheinland Pfalz“ bereits im Jahr 2005; es besteht momentan aus über 25 queeren Gruppen und Initiativen, die teils regional, teils landesweit aktiv sind und über ganz Rheinland-Pfalz verteilt sind. Mit diesem Beitritt ergaben sich neue Möglichkeiten, um zusammen mit anderen queeren Organisationen in Koblenz und Rheinland-Pfalz Kontakte zu knüpfen und zusammenzuarbeiten.

Sei SchLAu – Antidiskriminierungs und Informationsarbeit

Von 2012 bis 2015 war die SJK für die Region Koblenz Teil des „SchLAu“-Netzes in Rheinland-Pfalz, in dem sich insgesamt vier regionale „SchLAu“-Gruppen zusammengeschlossen haben.

„SchLAu“ steht dabei für Schwul Lesbisch Bi Trans Aufklärung in Rheinland-Pfalz. Das „SchLAu“-Team Koblenz besucht ehrenamtlich Schulen und Bildungseinrichtungen und leistet dort nach festgelegten Standards wirksam Aufklärungs-, Antidiskriminierungs- und Informationsarbeit über queere Lebensweisen. Workshops thematisieren typische Diskriminierungs­mechanismen, geben authentische Einblicke in gleichgeschlecht­liche Lebensweisen und vermitteln Akzeptanz gegenüber der Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe.

Das „SchLAu“-Team in Koblenz wurde durch SJKler gegründet und aufgebaut. Es wurde als weitgehend eigenständiges Projekt unter dem Dach der SJK geführt. Im Jahr 2015 wechselte es zu einem extra dafür gegründeten Träger innerhalb des QueerNet RLP-Verbundes.

Und jetzt?

Aktuell setzt die SJK ihren Schwerpunkt auf die Jugendarbeit im Freitagstreff und richtet weitere Aktionen z.B. für die Weiterbildung junger Erwachsener und Jugendlicher aus. Ein Höhepunkt war hier 2016 der Vortrag des angesehenen Dipl.-Psych. Dominic Frohn zum Thema
„Coming out im Job“ in Zusammenarbeit mit der HS-Koblenz und 2015 ein Selbstverteidigungskurs mit einem professionellen Trainer. Die SJK setzt für solche Veranstaltungen auf eine enge Zusammenarbeit mit den Koblenzer Hochschulen und den anderen queeren Koblenzer Vereinen.

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(td’1993 / js’1998-2008, aktualisiert: tr’2010, js’2013, js’2015, cb’2016)

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